DIE „LAIZITÄT“;
Eine von der Doktrin des Laizismus abgeleitete
Verhaltensweise in der Gesellschaft,
die im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts
zum verfassungsmäßig verankerten System der
Trennung von Kirche und Staat geführt hat.
Das Lexikon „Le Petit Robert“ definiert das franz.
Wort „laicité“ wie folgt:
Prinzip der Trennung der zivilen und der
religiösen Gesellschaft,
wobei der
Staat keinerlei religiöse Gewalt ausübt
und die Kirchen keinerlei politische Gewalt
innehaben.
Ernest Renan sagte: „Die >Laizität< bedeutet
den neutralen Staat zwischen den Religionen.“
Im Jahr 1905 und den darauffolgenden Jahren
war das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat
eine Art Kriegsmaschine
gegen die Macht der katholischen Kirche in
Frankreich,
die bis dahin eng mit dem Staatsgeschehen
verquickt war.
Denken wir z.B. an
König St. Louis, an Jeanne d`Arc,
an Kardinal Richelieu,
an Kardinal Mazarin.
Zum Thema „Trennung von Kirche und Staat“
ist ein Blick über die Grenzen hinaus interessant.
Diese Trennung gibt es auch, unter anderen
Vorzeichen, in den USA.
Jedoch handelt es sich dort nicht darum,
wie es Regis Debray in seinem Buch
„Gott, eine Reiseroute“ (Seiten 276 bis 278)
erwähnt,
den Staat vor der Einmischung der Kirchen zu schützen,
sondern das Gegenteil.
Das heißt,
die amerikanische Verfassung
will die Kirchen
vor eventuellen Einmischungsversuchen des Staates
schützen.
Denn der Ausgangspunkt in den Vereinigten Staaten
ist das „In God we Trust“
(In Gott liegt unser Vertrauen),
ein Glaubensakt,
der demzufolge
auf jeder Dollarnote erscheint, die
in diesem Lande,
und demnach in der ganzen Welt
in Umlauf ist.
Im Lande der Freiheit
werden 220 verschiedene religiöse Kultformen
gelebt.
Demnach
kann der Staat
nicht einer bestimmten Glaubens- oder Kultform
den Vorzug gegenüber den 219 anderen geben.
Diese Assoziierung einer Trennung von Kirche und
Staat
und einer Verwurzelung des amerikanischen Volkes
im christlichen Glauben,
lässt mich daran erinnern,
dass das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat
hinsichtlich seines Ursprungs und seiner Grundlage
auf dem berühmten Satz Christi fußt, der da
lautet:
„Gebt
Caesar, was des Caesars ist und Gott, was Gottes ist“
(Lukas XX, 20 bis 26).
Das Bildnis des Kaisers (Caesar heißt in diesem
Fall „Tiberius“)
auf den damaligen Münzen bedeutet:
Man muss
Caesar geben, was ihm zusteht,
nämlich
seine Steuern zahlen.
(Gott gibt man keine Gold- oder Silbermünzen,
sondern
bezeugt ihm z.B. Dankbarkeit).
Die für die „Laizität“ charakteristische
Neutralisierung der Religionszugehörigkeiten
zeigt sich auch
im Verhalten Christi gegenüber den Samaritern.
Die damaligen Beziehungen zwischen den Juden aus
Judäa und Galilea
und den
Bewohnern Samarias
entsprachen dem Zustand eines „kalten“ und latenten
Religionskrieges...
So etwas wie der Spannungszustand
im Frankreich des 16. Jhdts.
zwischen Katholiken und Protestanten
vor dem Ausbruch der Religionskriege.
Ein frommer Jude wähnte sich verpflichtet,
jedweden Kontakt mit den Samaritern zu vermeiden.
Trotz dieser Spannungen und „Ausweichregeln“
gibt es
auch das Gleichnis vom guten Samariter
(Lukas X, 29 bis 37)
und wir sehen, dass Jesus zu den Samaritern geht
(Johannes IV, 1 bis 42).
Genau dort
trifft Jesus,
der Überlieferung nach,
auf die Frau von Samaria, die er um Wasser bittet.
Die Art, wie Jesus sich gegenüber diesen
Abweichlern vom jüdischen Glauben,
den
Samaritern,
verhielt, kann für einen Gläubigen der modernen
Zeit,
ein
Verhaltensmodell gegenüber jenen sein, die nicht so glauben wie er.
So kann z.B. für einen Protestanten
jemand, dem er Großmut und Mitgefühl erweisen muss,
sowie es
der gute Samariter aus dem Gleichnis getan hat
(also jemandem, der außerhalb seiner
Glaubensgemeinschaft steht),
ein Katholik,
oder ein Orthodoxer sein.
Oder ein anderes Beispiel:
Sich zu verhalten wie der gute Samariter aus dem
Gleichnis
kann auch,
z.B. für
einen Katholiken bedeuten,
einem Muslimen,
oder einem Rabbiner,
oder einem Buddhisten
beizustehen,
oder ihm
einen großen Dienst zu erweisen.
Erwähnen könnten wir auch,
wie Jesus sich
gegenüber einem römischen Zenturio verhielt
(Mathäus,
VI, 5 bis 13),
oder auch wie Petrus
sich, ebenfalls gegenüber einem Zenturio, verhielt
(Apostelgeschichte, Kap, X in seiner Gesamtheit).
Wir haben also hier Beispiele dessen, was wir
Neutralisierungsverhalten der
Religionsgemeinschaften,
also Verhaltensweisen laizistischer Prägung im
Evangelium nennen können,
oder anders gesagt,
obwohl
diese Worte sich nur sträubend zusammenfügen,
die Bekundung einer „christlichen Laizität“.
*
Jedoch, kommen wir nochmals zurück
auf die in
Frankreich so wohlbekannte,
antichristliche „Laizität“.
Die
Gedankenwelt
dieser im Schulwesen stark implantierten
„Laizität“
steckt in Frankreich gegenwärtig in einer Krise.
Bei all den schnellen und bedeutenden
Veränderungen,
die da und dort,
in vielen Bereichen auftreten,
spaltet sich unsere Gesellschaft.
Und so mancher Lehrer und auch so manche Lehrerin
suchen Rat beim Therapeuten.
Generell gesagt:
Warum braucht man Therapeuten?
Weil jemand lange Zeit in einer bestimmten „Welt“
gelebt hat
und weil sich diese „Welt“ urplötzlich
spaltet und schließlich zusammenbricht und
verschwindet.
Warum bricht eine Welt zusammen?
Nehmen wir hier, um den Gedanken weiter zu
spinnen,
ein Beispiel, das wesentlich schwerwiegender ist,
als das Schulwesen in Frankreich,
mögen auch einige belustigt
eine Art
„Mammut“
darin zu erkennen glauben.
Nehmt doch
die UdSSR als Beispiel;
ein gewaltiger Polizeistaat,
sowohl militärisch, als auch politisch und
ideologisch.
Und
plötzlich im Verlauf von Wochen, oder höchstens ein paar Monaten,
bricht
dieses enorme Machtgefüge wie ein
Kartenhaus zusammen
und verschwindet von der Bühne des Weltgeschehens.
Diese
Weltmacht verstand sich mit Entschiedenheit
als antichristlich,
hat sie doch dort lange Zeit und erbarmungslos
die Christen der orthodoxen Religion verfolgt.
Doch heute
gibt es keine UdSSR mehr,
Leningrad wurde wieder St. Petersburg
und Russland entdeckt von Neuem, mit Inbrunst,
seine christliche Religion..
*
Das Mammut
des staatlichen Schulwesens in Frankreich
ist nahezu
winzig,
verglichen
mit der früheren, riesigen Maschinerie der sowjetischen Bürokratie,
die ohne
fremdes Zutun
im Jahre 1989
in sich zusammengestürzt ist.
Wenn du willst, dass etwas Bestand hat, sagt uns
Christus,
baue auf
Fels
und nicht auf Sand.
(Mathäus VII, 24 bis 27).
Die Erbauer
vernachlässigen oft
den
„Eckpfeiler“,
der ihrem Werk
Stabilität und Lebensdauer garantiert hätte,
sagt uns das Alte Testament
(Psalm 118, 22 bis 24).
Was ich hier zu erklären versuche, ist folgendes:
Wir kennen
in Frankreich,
auf Grund unserer Geschichte,
eine antichristliche „Laizität“.
Aber es gibt auch,
im
Evangelium,
oder in den Vereinigten Staaten,
etwas, was
man
eine christliche „Laizität“ nennen könnte.
Von einer in Frankreich zur Tradition gehörenden,
antichristlichen „Laizität“
zu solch einer christlichen „Laizität“ überzuwechseln,
könnte das beste Mittel sein,
uns so manche schmerzlichen Zusammenbrüche zu
ersparen.
Zur Erinnerung betone ich es nochmals:
Die UdSSR war die riesige Weltmacht
par excellence
und all diejenigen, die diese Welt zu der ihren
gemacht hatten,
dürften eine immense Desillusion erlebt haben.
Die Welt der antibiblischen und antichristlichen
„Laizität“ in Frankreich
ist sicher viel weniger imposant, als es die UdSSR
war.
Aber auch
in diesem Fall
ist es eine ganze Welt, die rissig wird und zum
Einsturz kommen kann.
Europa ist auch das Werk großer Baumeister.
Heute aber weigern sich plötzlich die jetzigen
Baumeister,
die simple
historische Wahrheit auszusprechen
und zuzugeben, dass die Wurzeln Europas
die
jüdisch–christlichen Werte sind.
So steckt also Europa in einer ernsten Krise.
Es ist militärisch eine viel weniger große Macht,
als die ehemalige UdSSR.
Und doch ist die UdSSR, die die christlichen
Wurzeln Russlands ausrotten wollte, untergegangen.
Wollen wir, dass dieses Europa,
das nach einer so langen und schwierigen
Aufbauphase entstanden ist,
ebenso,
eines Tages
von der Bühne der Geschichte verschwindet?
Ich zitiere
hier einen Philosophen, der sich als Atheist
bezeichnet,
nämlich André Conte-Sponville:
„Ich habe es immer bedauert, dass sich Jospin und
Chirac
geweigert haben, die christlichen Wurzeln Europas
in die verfassungsmäßigen Texte der Union
aufzunehmen.
Zu sagen: >Europa ist ein Boden christlicher
Tradition<,
heißt nicht, zu Gott Stellung zu nehmen;
es geht nur
um die Feststellung einer historischen Wahrheit.
Isoliert
von diesen christlichen Wurzeln
ist Europa
nicht mehr, als ein großer Markt.“
.(Zeitschrift „
Nr.3189, Woche vom 12. Oktober 2006.)
Das auf dieser Webseite gezeigte Projekt
wagt den wohl kaum erfolgversprechenden Versuch,
die laizistische Devise
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
mit unserem
Bewusstsein,
auch die Kinder Abrahams zu sein,
zu
versöhnen,
obwohl gewisse Kreise
in Frankreich und in Europa
viel Energie darauf verschwenden,
ihre Wurzeln zu vergessen.
Das Projekt
„Drei Statuen für Europa“
hat zum
Ziel, die Franzosen und die Europäer dazu zu bewegen,
von der ihnen vertraut gewordenen antichristlichen
„Laizität“
zu einer
christlichen „Laizität“ zu wechseln,
die, obwohl sie existiert,
von vielen nicht wahrgenommen werden will.
Seien wir
wachsam! Diese Leugnung der Tatsachen
könnte
bewirken, dass die Franzosen und die Europäer
sehr bald mit Verbitterung
vor einem Scherbenhaufen stehen.